Dysphagie/Schluckstörungen
Praxis für
Logopädie


Franzi Taraba
Staatl. anerkannte Logopädin




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Dysphagie / Schluckstörungen



SchluckvorgangSchluckstörungen (Dysphagien) bei Erwachsenen können in Verbindung mit neurologischen Erkrankungen, wie z.B. bei multipler Sklerose oder nach Schlaganfall auftreten. Einige Patienten bekommen auch Schluckprobleme aufgrund von Alterungsprozessen. Außerdem können Störungen der Nahrungsaufnahme nach operativen Eingriffen oder als Unfallfolge vorkommen.

Die meisten Patienten leiden sehr unter den Symptomen einer Schluckstörung. Teilweise gelingt die Nahrungsaufnahme nur mit großen Schwierigkeiten. Die Patienten verschlucken sich häufig, weil sie die Nahrung z.B. nicht mehr ausreichend zerkleinern bzw. nicht genau spüren können, ob der Mund schon leer ist, oder ob noch Reste im Mund verblieben sind.

Die Symptome sind sehr unterschiedlich und hängen davon ab, welche Dysphagie bzw. Schluckstörung auftritt, wenn eine der am Schluckakt beteiligten Strukturen in ihrer Funktion bzw. deren Zusammenwirken beeinträchtigt ist. Somit können alle Erkrankungen und Leiden im Bereich der Mundhöhle und ihrer Begrenzungen, des Rachens, der Speiseröhre und des Mageneinganges, daneben vor allem auch neurologische Probleme sowie psychische Störungen eine ursächliche Rolle spielen. Die Dysphagie kann mit oder ohne Schmerzen einhergehen. Der schmerzhafte Schluckakt wird auch als Odynophagie bezeichnet.

Da Schluckstörungen erhebliche Beeinträchtigungen des körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens nach sich ziehen, bedürfen sie immer einer Abklärung. 45% der über 75-Jährigen leiden an Schluckstörungen. (Wikipedia)


Mögliche Symptome einer Schluckstörung sind

Druck- oder Kloßgefühl im Hals

Husten oder Räuspern während der Mahlzeit als Ausdruck einer Penetration (Eindringen von Nahrung bzw. Flüssigkeiten in die oberen Atemwege bis zu den Stimmlippen) oder Aspiration (Eindringen  von Nahrung in die Luftröhre bis unter die Stimmlippen)

Würgereflex während des Schluckens

Hochwürgen von bereits geschluckter Nahrung

veränderter Stimmklang (eine „nasse“  Stimme oder Heiserkeit nach dem Schlucken)

Schmerzen beim Schlucken

Gefühl, zu viel Speichel zu haben

Auslaufen von Speichel aus den Mundwinkeln


Folgeerscheinungen können akute und wiederkehrende Lungenentzündungen sowie Fieber sein.


Schlucken im Alter

Im höheren Lebensalter treten Schluckstörungen zunehmend auf. Ursachen sind beispielweise eine zunehmende Abnahme der Muskelmasse, Abnahme der Kraft des Halteapparats, Zahnverlust, reduzierte Geruchs- und Geschmackswahrnehmung, verminderte Sensibilität. Hieraus resultieren folgende Hauptfolgen:

Verlangsamte Zungenbewegungen

Verzögerte Transportzeiten im Mundraum und bei der Weiterleitung durch den Rachen

Verzögerte Schluckreflexauslösung

Veränderte Öffnung des oberen Ösophagussphinkters (Öffnung der Speiseröhre)

Vermehrte Neigung zu Penetrationen/Aspirationen

Verminderte Hebung des Kehlkopfes


Essen und Trinken nimmt bei älteren Leuten in der Lebensqualität einen hohen Stellenwert ein. Eine logopädische Untersuchung, Therapie oder Beratung, sowie eine adäquate diätetische Empfehlung sollten bei älteren Leuten zum Standard gehören.


Strukturelle Dysphagie / Schluckstörungen nach HNO-Erkrankungen

Neben neurologische Krankheiten spielen HNO-Erkrankungen zahlenmäßig eine wichtige Rolle in der Ursache von Dysphagien. Die Ursachen für strukturelle Schluckstörungen sind vielfältig. Sie können nach chirurgischer, radiologischer und chemotherapeutischer Tumorbehandlung auftreten. Folgende Strukturen können betroffen sein: Die Zunge (inkomplette oder komplette Entfernung), die hintere Mundhöhle bzw. der Zungenbasis, Neck Disection (Radikaloperation mit Entfernung aller Lymphknoten des Halses), partielle Kehlkopfentfernung, pharyngeale Tumoren.

Eine Chemotherapie kann zu Schmerzen beim Schlucken oder Kauen führen und zu einer allgemeinen Schwäche, die die Dysphagie verstärken kann.

Durch Bestrahlungen können sofort Nebenwirkungen auftreten wie z.B. Mundtrockenheit oder auch Spätfolgen, wie z.B. Lymphflussstörungen und Verhärtungen des Gewebes. Auch werden bei Bestrahlungen oft Hirnnerven beschädigt.


Kanülenmanagement bei Dysphagie

Die Indikation zum Einlegen einer Trachealkanüle erfolgt immer aufgrund von Schwierigkeiten mit der Atmung und/oder im Zusammenhang mit einer schweren Dysphagie. Über die Trachealkanüle kann die Atmung oder Beatmung sichergestellt werden, bei massiven Schluckstörungen mit Aspirationen (Verschlucken) kann der fehlende Schutz der tiefen Atemwege mit einer cuffbaren Kanüle einigermassen kompensiert werden.


Trachealkanülen und Sprechen

Für die zwischenmenschliche Kommunikation ist das Sprechen elementar. Deshalb ist es von zentraler Bedeutung, die Trachealkanüle so früh als möglich (schon auf der Intensivstation) so auszuwählen und einzurichten, dass das Sprechen wieder möglich wird. Ein Sprechventil ist ein Einwegventil, das die Einatemluft einströmen lässt und sich bei der Ausatmung verschließt. Die Ausatemluft wird so durch den Kehlkopf gelenkt. Für das Sprechen, Essen und Trinken sowie die Sekretverarbeitung ist das eine wichtige Voraussetzung. Eine ungehinderte Ausatmung durch den Kehlkopf muss natürlich sichergestellt sein, bevor ein Sprechaufsatz verwendet werden kann.


TrachealkanüleSprechkanülen

Bei den sogenannten „Sprechkanülen“ (siehe Bild) muss dringend endoskopisch kontrolliert werden, ob die Öffnung auch korrekt in der Trachea liegt (was ohne fachgerechte Einlage und Auswahl der Kanüle oft nicht der Fall ist!) und die Ausatemluft auch tatsächlich durchströmen kann.


Sprechen ohne Sprechkanüle

Bei den andern Kanülen (siehe Bild) muss sichergestellt werden, dass der Platz neben der entcufften Kanüle gross genug ist und die Ausatemluft ohne erhöhten Widerstand ausströmen kann.
Beim erstmaligen Einrichten dieser „Sprechsituation“ ist äusserst vorsichtig vorzugehen. Ist der Platz für die Ausatmung zu eng, kann die Ausatmluft nicht genügend ausströmen, es baut sich in den Atemwegen Druck auf, was die Patienten als Atemnot empfinden.
 
 
Trachealkanülen und Schlucken

Die Indikation zum Legen einer Trachealkanüle erfolgt immer aufgrund von Schwierigkeiten mit der Atmung und/oder im Zusammenhang mit einer schweren Dysphagie. Über die Trachealkanüle kann die Atmung oder Beatmung sichergestellt werden, bei massiven Schluckstörungen mit Aspirationen (Verschlucken) kann der fehlende Schutz der tiefen Atemwege mit einer blockbaren Trachealkanüle weitgehend kompensiert werden (Siehe Bild, blockbare Trachealkanüle).

Bei einer gecufften (blockbaren) Trachealkanüle können Patienten das Sekret, das durch den Kehlkopf in die Atemwege läuft und sich oberhalb der Blockung ansammelt, nicht abhusten, da der Luftstrom vollständig über die Kanüle fließt. Das führt über längere Zeit unweigerlich zu einer Verminderung der Sensibilität, die Patienten haben keine andere Wahl, als sich an das Material in der Luftröhre und im Kehlkopf zu gewöhnen. Das wiederum bringt größere Risiken bei Wiederbeginn mit oraler Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme mit sich, da bei drohender oder tatsächlicher Aspiration zu spät oder gar nicht mit reflektorischem Husten reagiert wird. Damit wird die Schluckrehabilitation verlängert und die Gefahr von Komplikationen vergrößert.


    


Folgen von langdauernder Cuffung

Grundsätzlich sollte also das Schlucktraining sowie die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme bei entcuffter Kanüle und bei Verwendung eines Sprechventils erfolgen.

Es gibt heute Nachweise, dass Essen und Trinken bei gecuffter Kanüle langfristig zu Verschlechterungen des Schluckaktes führt. Aussagen wie, „bei gecuffter Kanüle ist das Essen und Trinken sicherer” können aus heutiger Sicht nicht mehr aufrechterhalten werden.

Im Grundsatz gilt für das Schlucken (genauso wie oben erwähnt für das Sprechen), dass für die Erhaltung und die Rehabilitation des Schluckens möglichst früh die Luft mittels eines Sprechventils über die oberen Atemwege geleitet werden muss - auch bei beatmeten Patienten/Innen.

Weitere Informationen finden Sie im Artikel Trachealkanüle - Segen oder Fluch.
Bei Fragen können Sie sich auch gerne über Kontakt an uns wenden.


Checkliste bei Verdacht auf Dysphagie

Markierbox Müssen Sie sich häufig räuspern beim Essen oder Trinken?

Markierbox Müssen Sie häufig husten beim Essen oder Trinken?

Markierbox Verspüren Sie häufig Atemnot beim Essen oder Trinken?

Markierbox Klingt Ihre Stimme nach dem Schlucken häufig gurgelig, nass oder verschleimt?

Markierbox Tritt während oder nach dem Essen Nahrung aus der Nase oder aus dem Mund aus?

Markierbox Bleiben Speisereste im Mundraum zurück, nachdem Sie geschluckt haben?

Markierbox Brauchen Sie deutlich mehr Zeit für eine Mahlzeit als früher?

Markierbox Verspüren Sie oftmals ein Fremdkörpergefühl im Hals nach dem Schlucken?

Markierbox Haben Sie in den letzten Wochen ungewollt Gewicht verloren?

Markierbox Meiden Sie bestimmte Getränke oder Speisen, weil Sie Ihnen Mühe bereiten?


Tipps für ein besseres Schlucken

In der Regel wird der Schluckvorgang gesichert, wenn eine aufrechte Sitzposition eingenommen und der Kopf leicht nach vorne geneigt wird. Je kleiner die Schluckportionen sind, umso einfacher ist die Kontrolle über die Speise. Ein Nachschlucken nach jedem Schluck sorgt dafür, dass eventuelle Reste im Mund- oder Rachenraum abgeschluckt werden können. Manchmal ist es sogar sinnvoll, sofort nach dem Schlucken – ohne vorher einzuatmen – zu husten. Hat sich die Stimmqualität nach dem Schlucken verändert, kann das ein Hinweis auf eine mögliche Aspiration sein. Durch ein festes Husten kann man das Aspirat wieder hochhusten.


Hilfe bei Verschlucken

Bei Hinweisen auf Aspirationen soll das Abhusten insbesondere bei Patienten mit abgeschwächtem Hustenstoss unterstützt werden, indem mit Druck gegen Bauch oder Brustkorb der Ausatemdruck erhöht wird. Wird bei schwachem Hustenstoss wie üblich auf den Rücken geklopft, wird das Aspirat noch tiefer in die Atemwege bewegt.