Stimmstörungen
Praxis für
Logopädie


Franzi Taraba
Staatl. anerkannte Logopädin




Simmlerstraße 4 . 75172 Pforzheim
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Stimmstörungen



Die Stimme ist ein wichtiges Merkmal eines jeden Individuums - an ihr erkennen wir uns, mit ihr wirken wir auf unsere Mitmenschen. Viele Menschen erwerben mit der Stimme ihren Lebensunterhalt und einige – insbesondere Sänger – sogar Ruhm. Meistens jedoch wird die Stimme in Sprechberufen genutzt – weniger glamourös vielleicht, aber mindestens ebenso wichtig.

Treten Störungen auf, hilft eine gezielte Behandlung beim Logopäden, den Beruf weiter und ohne Beeinträchtigungen ausführen zu können. Stimmprobleme haben darüber hinaus viele Kinder schon im Kindesalter. Aber auch Patienten mit Kehlkopfkrebs, mit denen nach einer Operation an einer „neuen” Stimmgebung gearbeitet wird.


Fallbeispiel

Eine 36 jährige Grundschullehrerin, verheiratet, zwei Kinder, seit 10 Jahren im Schuldienst, hat nach zahlreichen Erkältungen andauernde Heiserkeit, Stimmanstrengung und Stimmermüdung. Nach einem Unterrichtstag brennt ihr der Hals, sie verspürt ein Trockenheitsgefühl und muss sich häufig räuspern. Am liebsten würde sie dann nicht mehr sprechen und flüstert zu Hause, um die Stimme zu schonen. Manchmal versagt ihr die Stimme an einem anstrengenden Tag ganz. Sie hat mittlerweile Angst vor Stimmversagen und Berufsunfähigkeit. Der HNO-Arzt diagnostizierte eine funktionelle Dysphonie und stellte eine logopädische Verordnung aus.



Was die Stimme verrät und wie die Stimme funktioniert



Die Stimme stimmt, wenn die Stimmung stimmt. Diesen Satz habe ich mir während meines Studiums eingeprägt. Und das stimmt. Ein aufmerksamer Zuhörer stellt an der Stimme fest, wie es uns geht: ob wir müde oder aufgeregt, erschöpft oder traurig sind, ob wir die Wahrheit sagen oder lügen... Unsere Stimme ist mehr als alles andere unsere „Visitenkarte”.

Wie die Stimme funktioniert

Die Stimme ist in erster Linie eine Muskelfunktion. Die Stimmlippen bestehen überwiegend aus Muskulatur und darüber liegender Schleimhaut. Sie bilden sozusagen das obere Ende der Luftröhre und liegen horizontal im Kehlkopf auf Höhe des sog. Adamsapfels. Der Kehlkopf besteht weiterhin aus einem knorpeligen Gerüst, das die Stimmlippen umschließt und aus verschiedenen Muskeln und Bändern.
Während der Atmung sind die Stimmlippen geöffnet, zur Stimmgebung werden sie geschlossen. Mit Hilfe der Luft, die während der Ausatmung aus den Lungen strömt, werden die aneinander liegenden Stimmlippen in Schwingung versetzt. Durch diese Schwingung wird wiederum der Luftstrom verwirbelt und es entstehen Schallwellen, die als Stimmklang hörbar werden. Ähnliches geschieht, wenn man beispielsweise auf einem Grashalm pfeift.
Die Atmung spielt bei der Stimmgebung eine entscheidende Rolle. Über die Frage, wie laut oder leise, hoch oder tief beispielsweise einen Klang ist, entscheidet die Feinabstimmung zwischen Atmung, Kehlkopfstand und Kehlkopffunktion.
Ähnlich wie die meisten Musikinstrumente benötigt auch die Stimme einen Resonanzkörper, das heißt einen Raum, in dem sich die an den Stimmlippen erzeugten Schallwellen ausbreiten und formen können. Diese Funktion übernehmen beim Menschen die Mund-, Rachen- und Nasennebenräume. Diese Räume werden als Ansatzrohr bezeichnet. Das Ansatzrohr dient aber nicht nur als Resonanzraum, sondern hier werden mittels Zunge, Kiefer und Lippen Laute geformt, die den reinen Stimmklang in Sprache umsetzen. Dieser Prozess nennt sich Artikulation.

Wie eine Stimmstörung entsteht

Zur Entstehung einer Stimmstörung trägt selten nur eine Ursache bei. Veränderungen von Atmung und Körperhaltung können, wie oben beschrieben, dazu beitragen, sind meist aber nicht die eigentliche Ursache.
Da das Benutzen der Stimme nicht gelernt werden muss – so wie Schreiben oder Lesen -, läuft die Stimmgebung überwiegend unbewusst ab, daher schleichen sich schnell „Fehler” ein. Eine ungünstige Stimmgebung entsteht meist über viele Jahre hinweg. Wahrgenommen werden Einschränkungen der Stimme aber in der Regel erst dann, wenn besondere stimmliche Belastungen bewältigt werden müssen und die Stimme einen dabei „im Stich” lässt. Ebenso können sich aber auch allgemeine Belastungen wie beruflicher oder privater Stress auf die Stimme schlagen. Viele Erkrankungen entstehen als Reaktion auf eine allgemeine Überlastung. Das Stimmorgan reagiert darauf besonders empfindlich.

Sie als Lehrer sind besonders gefährdet, Stimmstörungen zu entwickeln. Ihre Stimmbelastung ist hoch, Sie müssen oft gegen einen Lärmpegel sprechen und stehen oft unter Zeitdruck. Eine unphysiologische Haltung und ein zu schnelles, hastiges Sprechen mit zu geringen Pausen und hörbarem Luftschnappen können zu einer unökonomischen Stimmgebung führen.

Beispiele einer unökonomischen Stimmgebung

Zu viele Wörter werden auf einem Atemzug gesprochen. Es wird nach Luft geschnappt, um das Ausgehen der Luft zu kompensieren. Dies erschöpft den Redner, aber auch den Zuhörern.

Nachlässige Artikulation

Gehauchte Wörter – unnötiger Luftverlust beim Sprechen

Gepresste Stimmgebung um Lautstärke zu erzeugen

Die mittlere Sprechstimmlage wird nicht eingehalten.



Stimmhygiene



Zudem gibt es Faktoren, die sich negativ auf die Stimmgebung auswirken

Rauchen, Alkohol, giftige Dämpfe, Staub, Kreide

Räuspern und Hüsteln

Harte Stimmeinsätze

Überforderung der Stimme, z.B. durch zu lautes Reden

Hochatmung

Eingeschränkte Kieferöffnung/geringe Artikulationsbewegungen

Einatmen von kalter Luft

Bestimmte Medikamente


Die logopädische Prävention für Lehrer kann deshalb folgende Schwerpunkte beinhalten

Sprechatmung, mit Einhalten der Atemmittellage

Tragfähigkeit der Stimme, mit Weitung des Ansatzrohres, Eutonisierung der Artikulationsmuskulatur, Erarbeiten des vorderen Stimmansatzes.


Die meisten logopädischen Stimmtherapiemethoden arbeiten

ganzheitlich

in den Bereichen Wahrnehmung, Intention, Haltung und Bewegung, Atmung, Stimmerzeugung, Artikulation


Die Arbeit an der Stimme kann nie nur das Erlernen bestimmter Techniken beinhalten; immer ist sie das Finden der eigenen Stimme, der eigenen Atmung und somit ein Selbsterfahrungsweg zur eigenen Person.